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Weltreise als alleinreisende Frau – Klar geht das

Falls Du immer schon mal für längere Zeit unterwegs sein wolltest, Dich aber die Tatsache, dass Du alleine reisen müsstet davon abgehalten hat, dann solltest Du jetzt auf jeden Fall weiterlesen. Und falls nicht, dann auch, denn vielleicht lernst Du ja noch was 😉 Und in diesem Beitrag geht es mal nicht um uns, sondern um Vanessa. Vanessa lebt und arbeitet in Düsseldorf, ist Anfang 40 (auch wenn sie bei weitem nicht danach aussieht) und hat in diesem Jahr alleine die Welt bereist. Alleine gefühlt hat sie sich aber nie. Ich hab sie mir für ein Interview geschnappt und die wichtigsten Fragen geklärt.

Wie lange warst Du unterwegs und was war Deine Motivation für Deine Weltreise?

Ich war genau vier Monate oder 122 Tage unterwegs. Meine Motivation war für mich „Jetzt oder nie!“. Eine Weltreise wollte ich schon so lange machen, aber entweder hatte ich einen Job, mit dem das nicht vereinbar gewesen wäre, oder ich hatte zwar die Zeit, aber kein Geld. Und jetzt standen die Zeichen einfach auf „Go“ für mich. Dazu kam Romys Blog und die Offenlegung der Kosten. War gar nicht so teuer wie ich dachte und dann wollte ich einfach nur noch los.

Und wie hatte das mit Deinem Job geklappt?

Ich habe nach einem Sabbatical gefragt und es bekommen. Das ging eigentlich ziemlich leicht. Man muss sich halt einfach nur trauen mal nachzufragen. Bei meinem alten Job wäre das allerdings nicht gegangen. Trotzdem, fragen kostet nichts. Ich hatte das mit meinem Arbeitgeber aber so geregelt, dass ich Gehalt anspare, um dann noch einen kleinen Teil, auch während der Reise, zu bekommen. Damit konnte ich meine Fixkosten decken.

Apropos Fixkosten, was hast Du mit Deiner Wohnung gemacht?

Meine Wohnung wollte ich zuerst untervermieten. Aber für mich war es wichtig, mir diesen Jemand vorher mal anzusehen. Schließlich ist meine Wohnung mein sehr privater Ort. Daran ist es dann allerdings auch gescheitert. Aber wer weiß, wofür es gut war. Ansonsten ist Untervermietung eine gute Sache, da diese Fixkosten dann schon mal wegfallen. Man sollte aber natürlich seinen Vermieter vorher fragen, ob das in Ordnung ist.

Wie lange hast Du Dich auf die Reise vorbereitet, sprich geplant und gespart?

Meine Planung fiel direkt mit dem Sparen zusammen. Ich hatte von April bis Januar Zeit zu planen und zu sparen. Also zehn Monate. Das reichte aber auch aus. In dieser Zeit habe ich immer, direkt nach dem Gehaltseingang, einiges an Geld weggelegt, damit ich erst gar nicht auf dumme Ideen komme. Dabei ist mir erstmal aufgefallen, wieviel Geld ich für irgendwelchen Blödsinn ausgegeben habe. Das Sparen war also auch schon mal gar nicht so schlimm. Mir hat nichts gefehlt.

Bezüglich der Planung habe ich mir einfach überlegt, wo ich überall hinmöchte, wie das klimatisch gesehen passt (Regenzeiten wollte ich z.B. vermeiden), aber auch von der Reihenfolge her, so dass ich nicht hin- und her fliegen muss. Mein Ziel war es schon einmal rum zu kommen. Das allermeiste habe ich vorher auch schon gebucht, also alle Flüge und fast alle Unterkünfte. Ich hatte keine Lust mich erst während der Reise darum zu kümmern. So wahnsinnig lang sind dann vier Monate ja auch wieder nicht. Da wollte ich die Zeit lieber anders nutzen, als mit Planung. Und bei den Unterkünften wollte ich gerne komfortable, aber bezahlbare haben. Also keine Mehrbettzimmer und auch keine Luxussuites. Da muss man dann schon vorher mal gucken, damit es für einen auch passt. Am Ende der Reise habe ich es mir dann aber doch noch ein bisschen offen gelassen, weil ich nicht wusste wie ich dann so drauf sein werde.

Und wie sah Deine Reise aus, wo warst Du überall?

Meine erste Station war Südafrika, einmal von Kapstadt nach Johannesburg an der Küste entlang. Hier hat mich eine Freundin begleitet. Dann ging es alleine weiter nach Singapur für ein paar Tage. Das reichte für diese doch sehr teure Stadt, aber sie hat viel Spaß gemacht. Von dort ging es nach Thailand, Chiang Mai. Hier war ich (schon zum dritten Mal übrigens) in meinem Muay Thai (Kickboxen) Camp. Danach bin ich auf die Philippinen geflogen. Ich fand es ziemlich interessant, weil es noch nicht so schwer touristisch erschlossen ist. Dort habe ich auch meinen Tauchschein gemacht und dann, nach weiteren Stopps, eine Tour mit Tao/Lost boys von El Nido nach Coron. Den ganzen Tag snorkel, eat, relax – repeat! Abends haben wir, ohne Strom und fließend Wasser in offenen Huts am Strand geschlafen. Nicht komfortabel, aber eine tolle Erfahrung! Ein kompletter digital Detox.

Von dort bin ich nach Japan, passend zur Kirschblüte. Das war eher eine Städtereise, aber auch richtig schön. Anschließend dann ab nach Hawaii. Da wollte ich schon immer mal hin. Wirklich traumhafte Inseln. Ich war auf Oahu, Kauai und Maui. Von dort ging es dann nach Mexiko. Für Mexico hatte ich kaum geplant, da ich ja nicht wusste, was zu dem Zeitpunkt der Reise mein Wunsch ist. Ich bin dann in Yucatan geblieben. Das Finale fand dann in New York statt. Meiner absoluten Lieblingsstadt, wo ich schon unzählige Male gewesen bin. In dieser Stadt tut sich aber so viel, dass es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Und ich habe dort auch Freunde, die ich natürlich besucht habe.

Südafrika, Kapstadt, Weltreise Alleinreisende
Tafelberg, Kapstadt
Singapur mit dem Marina Bay Sands im Hintergrund
Kickboxcamp Thailand
Im Kick box Camp, Chiang Mai, Thailand
Philippinen, Weltreise Alleinreisende
Die offene Hütte am Strand, irgendwo zwischen El Nino und Coron auf den Philippinen.
Osaka, Japan
Osaka, Japan, vor dem Kaisergarten.
Maui, Weltreise Alleinreisende
Sonnenuntergang auf Maui, Hawaii
Weltreise Alleinreisende
Auf Maui, Hawaii
Mexico, Weltreise Alleinreisende
Isla Mujeres, Mexico
New York, Weltreise Alleinreisende
Streetart in NYC

Hat es Dir irgendwo besonders gut gefallen?

Nach meinem Highlight werde ich oft gefragt. Aber es gab so viele. Jedes Land hatte seine eigenen Highlights. Es war ja auch alles so verschieden, da ist schon sehr viel Platz für Highlights. Ich könnte mich da also nicht entscheiden.

Wie war es für Dich so lange alleine zu reisen?

Ich reise gerne alleine. Man ist ganz bei sich selbst und lernt auch noch dazu. Vor allem über sich. Man kann sich selbst plötzlich nicht mehr ausweichen und muss sich mit sich auseinander setzen.  Aber so lernt man sich eben auch mal von einer ganz anderen Seite kennen. Wie man z.B. auf Gutes und Schlechtes reagiert, oder auch in unbekannten Situationen. Die Lösung liegt dann ganz an dir selber. Trainiert die Kreativität und macht am Ende auch stolz auf sich. Zudem bin ich eher von der offenen Sorte und komme schnell mit Leuten ins Gespräch. Und das Beste: Ich kann, wenn ich will, meine Ruhe haben. Up to me. Auch die Planung geht alleine schneller und besser, weil man sich nicht absprechen muss. Allerdings ist es auch nicht so günstig, wie zu zweit oder mehr. Taxis, Einzel-/Doppelzimmer etc. zahlt man immer alleine, zu zweit kann man teilen. Aber das wusste ich ja vorher und hab es entsprechend eingeplant. Ich hab mich nicht einsam gefühlt, eher sehr frei und glücklich. Und dankbar. Ich sehe also viele Vorteile im alleine reisen.

Das Thema Sicherheit ist alleine als Frau natürlich ein wichtiges. Man sollte eben die „Spielregeln“ beachten und Gefahrensituationen vermeiden. Aber das muss man auch zu zweit oder in der Gruppe. Es ist an sich eh ein guter Rat, sich erst gar nicht in komische Situationen zu bringen. Ich würde z.B. niemals alleine in Krisenherde fahren, betrunken durch die Gegend laufen oder meinen wertvollen Schmuck in aller Öffentlichkeit zeigen (den ich übrigens nicht habe).

Gab es mal eine Situation, in der Du Dich sehr unwohl gefühlt hast?

Unwohl habe ich mich nie gefühlt. Bei Orten, die ein bisschen in Verruf waren, hab ich abends erst gefragt, ob die Gegend sicher ist und ob ich besser ein Taxi nehme. Vielleicht liegt es auch an meiner strammen Körpergröße. In den meisten Ländern war ich so zwei Köpfe größer, als der Durchschnittsmann. Kann also sein, dass sie Angst vor mir hatten :D. Ich war eher eine gern genommene Fotokuriosität.

Hast Du noch einen besonderen Tipp für alleinreisende Frauen?

Alleinreisenden Frauen würde ich immer empfehlen, sich einfach gut vor Ort zu informieren. Zum Beispiel lieber ein Taxi nehmen, wenn es nicht so sicher ist. Ansonsten immer die Augen offen halten und auf den gesunden Menschenverstand vertrauen. Ich finde man spürt, wenn es irgendwie komisch ist.

Gab es etwas, das Dich besonders beeindruckt hat?

Besonders beeindruckt hat mich all over the world die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen. Ich hab so viele tolle Leute getroffen.

Warst Du mal krank in der Zeit?

Krank war ich zum Glück nicht. Am Ende nur etwas erkältet.

Hast Du etwas verloren oder wurde Dir etwas geklaut?

Zum Glück hab ich nichts großartiges verloren. Ein Schloss für den Koffer, aber ich hatte zum Glück ein zweites dabei. Ansonsten hätte ich das aber auch an jedem Flughafen nachkaufen können.

Was würdest Du das nächste Mal von Deiner Packliste streichen und was würdest Du auf jeden Fall wieder mitnehmen?

Meine Packliste würde ich stark ändern. Auf jeden Fall weniger Klamotten und weniger Zubehör. Ich fliege gerne mit Jogginghose und Hoodie. Die nehmen bei warmen Ländern aber unnötig Platz weg. Da werde ich mir etwas anderes ausdenken. Meine Duschbrocken würde ich wieder mitnehmen. Seife für Haut und Haar. Superpraktisch. Extra Liquids für den Flug kann man auch weglassen. Was braucht man schon beim Fliegen? Viel Sonnencreme würde ich auch wieder einpacken. Selbst in Mexiko hab ich 10 Euro dafür gezahlt. Sonnencreme ist echt teuer im Ausland und es gibt keine vernünftige Auswahl.

Hättest Du noch länger unterwegs sein können?

Ja, ich hätte auch noch länger bleiben können. In Deutschland lief mir ja nichts weg.

Was war das für ein Gefühl wieder in Deutschland zu sein?

Plötzlich in Deutschland (so kam es mir vor) war alles so bekannt und vertraut, dass ich schon nach wenigen Tagen das Gefühl hatte, ich bin wieder voll drin – alles wie gehabt. Ich hab das Gefühl, die Reise schon zu vergessen. Das fand ich schlimm. Aber da ich oft gefragt werde und dann erzähle, bin ich zack wieder drin. Ich habe es nicht vergessen. Werde ich auch nie, denn sowas bleibt für immer. Und ein paar tausend Fotos habe ich ja auch noch.

Ist Dein Fernweh jetzt erst mal gestillt?

Mein Fernweh ist nicht gestillt. Mehr kann ich dazu kaum sagen, außer: Ich würde es wieder tun!

Hat sich etwas für Dich verändert?

Ich würde nicht sagen, dass ich mich großartig verändert habe. Bin schließlich schon etwas älter, da ist die Persönlichkeitsentwicklung mehr oder weniger abgeschlossen. Aber ich habe doch viel dazu gelernt. Ich fühle mich entspannter, vertraue mehr, und habe auch mehr Dankbarkeit gelernt. Ganz profan ist mir auch aufgefallen, dass ich zu große Portionen und zu viel esse. Ich brauche viel Bewegung an der frischen Luft und das will ich auch in meinen Alltag mehr einbinden. Und ich habe mir Metallstrohhalme gekauft und statt einem Geburtstagsgeschenk zu einer Spende für The Ocean Cleanup aufgerufen. Das ganze Plastikmüllthema ist mir viel präsenter geworden und da muss die Menschheit dringend etwas tun. Ich fange mit kleinen Schritten an und das sollte jeder tun. Wenn ich das so betrachte, hat sich also doch ein bisschen was verändert.

Hast Du irgendwelche Pläne für die Zukunft?

Besondere Pläne hab ich erstmal nicht. Ich bin wieder zurück im Job und fühle mich einfach ein bisschen cooler. Ich probiere meine lessons learned in den Alltag einzubauen. Mehr auf mich zu vertrauen. Und die Augen aufzuhalten, um zu schauen wie ich nochmal eine solche Reise machen kann.

Lieben Dank Vanessa für dieses tolle Interview!

Und wenn Du mehr über Vanessas Reise lesen möchtest, dann schau mal auf ihrem Blog TravelVanista. Dort hat sie ein Reisetagebuch geführt, das sie mit vielen Erlebnissen und Bildern gefüllt hat.

Und wenn Du jetzt auch Lust bekommen hast oder auch schon länger darüber nachdenkst so eine Reise zu unternehmen, aber nicht weißt wie Du das Ganze angehen sollst, dann schau gerne mal hier rein:

Hilfe, ich will eine Weltreise machen! Und jetzt?

Aber denke immer daran, egal, wo Du bist: Reise bewusst, verschwende keine Ressourcen, vermeide Müll und Plastik, respektiere und unterstütze die Einheimischen vor Ort sowie Natur und Tiere!

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PS: Auch wir waren im letzten Jahr auf Weltreise. Unsere Planung und unsere Erlebnisse kannst Du hier nachlesen: Weltreiseplanung und -tagebuch

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